Eine US-Studie mit 3.635 Menschen über 12 Jahre zeigt, dass regelmäßige Buchleser fast 2 Jahre länger leben. Fernsehen wirkt in die entgegengesetzte Richtung.
von Martin Burgwald
Etwa 40 Prozent der Deutschen nehmen mindestens 1-mal pro Woche ein Buch in die Hand.
Die meisten tun es zur Entspannung. Was die wenigsten wissen:
Sie verlängern damit messbar ihr Leben.
Lesen senkt Stress um bis zu 68 Prozent
Forschende der University of Sussex setzten Teilnehmende gezielt unter Stress, bis der Puls messbar stieg. Dann sollten sie 6 Minuten lang still sitzen und lesen.
Das Ergebnis:
Der Herzschlag beruhigte sich, die Anspannung ging zurück, um bis zu 68 Prozent.
Ein Teil davon liegt am Stillsitzen. Aber genau dazu zwingt uns ein Buch. In einer großen britischen Umfrage nannten 58 Prozent der Befragten Lesen als die Tätigkeit, bei der sie am besten abschalten können.
Lesen als Schutz vor Demenz
Normalerweise nimmt die Leistung des Gehirns im Alter ab. Der Wortschatz schrumpft, neue Informationen bleiben schlechter hängen.
Untersuchungen zeigen aber:
Wer regelmäßig liest, kann einen Teil dieses Abbaus ausgleichen. Die Demenzrate war bei intellektuell aktiven Menschen niedriger.
Forschende der Emory University in Atlanta konnten sogar sehen, was dabei im Gehirn passiert. Probanden lasen jeden Abend in einem Buch, morgens wurde ihr Gehirn gescannt.
Die Vernetzung in der Sprachregion war erhöht. Und dieser Effekt war noch 5 Tage nach dem Lesen nachweisbar.
23 Monate länger leben
Das stärkste Argument liefert eine US-Studie mit 3.635 Teilnehmenden über 12 Jahre:
Eifrige Buchleser lebten im Durchschnitt 23 Monate länger als Menschen, die keine Bücher lasen.
Fast 2 Jahre. Für eine Gewohnheit, die nichts kostet.
Warum Fernsehen das Gegenteil bewirkt
Geschichten liefert auch der Fernseher. Der Unterschied liegt im Gehirn:
Eine Langzeitstudie fand Hinweise, dass mehr als 4 Stunden Fernsehen täglich das Demenzrisiko erhöhen könnte, vermutlich weil Gehirnzellen früher absterben.
Lesen fordert das Gehirn. Fernsehen lässt es ruhen.
So bauen Sie Lesen in den Alltag ein
- 20 Minuten vor dem Einschlafen. Das hilft auch bei Einschlafproblemen.
- Das Smartphone in einen anderen Raum legen.
- Ein Buch, das nicht fesselt, weglegen. Sich durchzuquälen schadet nur der Motivation.
- Gedrucktes bevorzugen: Eine Studie zeigt, dass Inhalte aus gedruckten Büchern besser im Gedächtnis bleiben als vom Bildschirm.
Häufige Fragen
Zählen Zeitschriften auch?
Für den Stress-Effekt ja. Der Lebenszeit-Effekt wurde speziell für Bücher gemessen.
Wie viel muss ich lesen?
In der Langzeitstudie reichte regelmäßiges Lesen, 1 Kapitel am Tag.
Sind E-Books genauso gut?
Für das Gehirn ja. Wer dicke Bücher abschreckend findet, kann mit einem E-Reader anfangen.
Fachlich geprüft von Martin Burgwald, GesundheitsNews.org
Quellen: Social Science & Medicine, A chapter a day: Association of book reading with longevity; Emory University; University of Sussex; Institut für Demoskopie Allensbach; Ärztezeitung
